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Kongressbericht von der 13. EHRS Jahrestagung
6. August 2008 - Prof. Dr. Hans Wolff

Zum 13. Mal trafen sich führende europäische Haarforscher zu ihrer Jahrestagung. Diesmal war die Hafenstadt Genua Gastgeber. Genua entspricht nicht unbedingt einer lieblichen kleinen Küstenstadt, sondern hat eine Hafen-industrielle Anmutung. Auch macht die Stadt einen leicht schmuddeligen Eindruck. All dies sollte jedoch die Haarforscher nicht davon abhalten, einen intensiven fachlichen Austausch während der 1 ? Kongresstage zu pflegen. Sehr erfreulich war, dass nicht nur die „üblichen Verdächtigen“ aus Europa anwesend waren, sondern auch international bekannte und renommierte Haarexeperten aus den USA (David Witing, John Sundberg u.a.), aus Kanada (Jerry Shapiro, Kevin McElwee) sowie weitere Besucher aus Fernost und Australien.

Eröffnet wurde der Kongress durch den Vortrag „7D Microscopy towards Nanoscopy: An integrated approach for 3D samples“ von dem Physiker Alberto Diaspro aus Genua. Nach einem fulminanten Vortragsauftakt mit sehr originellen Folienwechseln (Prof. Diaspro ist eindeutig ein i-Book-Freak) verlor sich der zunächst sehr interessante Vortrag dann schließlich doch sehr im Speziellen, so dass hier nicht über die gesamte Vortragszeit die komplette Aufmerksamkeit aller Zuhörer gewährleistet war. Von den komplexen physikalischen Formeln konnten sich jedoch alle Teilnehmer bei Wein und Antipasti beim Eröffnungs-Empfang erholen.

Am nächsten Tag, Freitag den 04. Juli 2008, begann der Kongress mit einer Sitzung zum Thema Genodermatosen, also vererbten Hauterkrankungen. Höhepunkt dieser Vormittagssitzung war der Vortrag von Regina C. Betz aus Bonn, die einen definierten Gendefekt einer speziellen Form der Hypotrichose anhand einer großen Saudi-Arabischen Familie nachgewiesen hat. Lynn Petukhova präsentierte genetische Allele, die das Risiko einer Alopecia areata erhöhen. Diese Forschungen sind jedoch in ihrem Wesen seit längerem bekannt und bieten im Einzelfall für den Betroffenen wenig Nutzwert. Einen exzellenten Vortrag bot die junge Australierin Leona Yip, die unterschiedliche Bauvarianten des Aromatase-Gens präsentierte. Dieses Gen, beziehungsweise das damit kodierte Enzym Aromatase, ist wichtig bei den androgenetischen Alopezie der Frau, da es Testosteron im Östrogen umwandeln kann.

Mittags folgte schließlich noch eine Sitzung zum Thema androgenetische Alopezie. Hier stellte Mike Philpott sehr interessante Untersuchungen zur vorzeitigen Alterung der dermalen Papille bei Männern mit Glatzenbildung vor. Es folgte Dominique van Neste aus Belgien, der beeindruckende Fotoserien zur guten Wirksamkeit der oralen Finasterid 1 mg Medikation bei männlicher Glatzenbildung vorstellte.

Asiatische Daten von Chang-Hun Huh zu Dutasterid und männlicher Glatzenbildung wurden sehr kontrovers diskutiert. Es gibt angesichts der guten Wirksamkeit von Finasterid 1 mg (Propecia®) keinen Grund, auf das nicht zugelassene und potenziell nebenwirkungsreichere Dutasterid auszuweichen. Schließlich folgten einige Beobachtungen von Carmen Cantisani zu der Langzeitwirkung von Finasterid bei Männern mit Glatzenbildung. Ihre 10 Jahresverläufe bestätigen auch eigene Beobachtungen, dass Finasterid 1 mg auch über 10 Jahre hinweg ohne Nebenwirkungen mit sehr gutem Ergebnis eingenommen werden kann.

Nach dem Mittagsbuffet setzten sich die Sitzungen mit dem Thema des weiblichen Haarausfalls fort. Andrew G. Messenger aus England gab einen interessanten Einführungsvortrag zum Thema follikuläre Einheiten, insbesondere im Hinblick auf die weibliche androgenetische Alopezie. Er konnte zeigen, dass nicht gesamte follikuläre Einheiten mit ihren 2 bis 4 Haarschäften, sondern oft nur einzelne Haare einer follikulären Einheit von der Schrumpfung im Rahmen der androgenetischen Alopezie der Frau betroffen sind.

In der Sitzung „Diagnostische Techniken“ präsentierte Ulrike Blume-Peytavi aus Berlin neue Methoden zur Haaruntersuchung wie z.B. die optische Koherenz-Tomographie des Haarschaftes. Sehr interessant waren auch die Vorträge zur Dermatoskopie der Kopfhaut (Trichoskopie).

Die nächste Sitzung widmete sich dem Thema Alopecia areata. Kevin McElwee aus Vancouver erklärte anhand eines C3H/HeJ Mausmodells die Rolle der unterschiedlichen zellulären Botenstoffe (Zytokine), sowie die Rolle des Lymphozyten-gesteuerten programmierten Zelltodes (Apoptose) in Haarfollikelzellen. Im anschließenden Vortrag vertrat Man Ching Leung die Hypothese, dass Trichohyalin das wichtigste Autoantigen der Alopecia areata ist. Schließlich folgte ein Vortrag zur Kombinantionstherapie der innerlichen PUVA-Bestrahlungstherapie mit 20 mg Kortison pro Tag. Diese etwas aufwändige und potenziell nebenwirkungsreiche Kombinationstherapie führte bei einigen Betroffenen zu deutlichen Besserungen. Allerdings wurde diese Behandlung sehr kontrovers diskutiert. Einen sehr guten Überblick zum Thema „Management of alopecia areata“ bot schließlich Jerry Shapiro aus Vancouver. Shapiro diskutierte ausführlich alle Behandlungsmöglichkeiten der Alopecia areata. Alle diese Therapien sind auch in Deutschland hinlänglich bekannt. Auffällig ist vielleicht lediglich, dass Shapiro bei geringerer Ausprägung die Injektion von 5 mg/ml Triamcinolon in die Kopfhaut favorisiert. Bei ausgedehnter Alopecia areata totalis bevorzugt Shapiro, ebenso wie wir, die topische Immuntherapie mit Diphencyprone (DCP).

Am nächsten Morgen wurde das wissenschaftliche Programm durch Parallelsitzungen weitergeführt. Den Anfang machten die Sitzungen zur Haartransplantation und zum Thema Hirsutismus. Der Höhepunkt des Vormittags war die Sitzung zur vernarbenden Alopezie aufgrund des hervorragenden Vortrags von Pascal Reygagne aus Paris. Er stellte eine Systematik der Behandlungsmöglichkeiten beim Lichen ruber der Kopfhaut vor, wobei er auch objektive Zielparameter wie Makrofotografie von Haaren verwendete. Rengagne zeigte, dass selbst die Verwendung innerlicher, das Immunsystem unterdrückender Medikamente wie Ciclosporin nicht zuverlässig zum Erfolg führt. Wir lehnen daher innerliche, nebenwirkungsreiche Therapien bei so schleichenden, über Jahre verlaufenden vernarbenden Alopezien wie dem Lichen ruber in der Regel ab.

Das nächste Treffen der führenden Haarexperten wird im Jahr 2009 in Graz stattfinden.

Prof. Dr. med. Hans Wolff
Leiter der Haarsprechstunde, Klinik und Poliklinik für Dermatologie und Allergologie der Ludwig-Maximilians-Universität München

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