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Gefälschte Medikamente überschwemmen Europa
3. September 2012 - Dr. Uwe Schwichtenberg

Der Handel mit gefälschten Arzneimitteln floriert, zeigen internationale Studien. Das Risiko für Verbraucher, Apotheken und Pharmaindustrie ist enorm. Um europaweit einen besseren Schutz zu gewährleisten, hat etwa die Pharmabranche in Deutschland das Sicherheitssystem securPharm entwickelt. 2013 soll in deutschen Apotheken ein Pilotversuch durchgeführt werden.

Verdoppelung der Plagiate

Für einen Anstieg des Problems spricht die Zahl der beschlagnahmten Medikamentenplagiate. Allein in Österreich betraf dies im Vorjahr 41.589 Plagiate, während es im Jahr 2010 nur halb so viele gewesen waren. Für die Bekämpfung setzt die Pharmaindustrie auf Hightech. "Modernste Technologien sollen Fälschungen möglichst erschweren", bestätigt Jan Oliver Huber, Generalsekretär des Verbands der pharmazeutischen Industrie Österreichs (Pharmig) http://pharmig.at .

An den Endkunden gebracht wird die gefälschte Medizin wird über das Internet. "In der legalen Lieferkette gibt es noch wenige Fälschungen. Der Weg zur Apotheke ist immer noch der sicherste", sagt Pharming-Sprecher Peter Richter. Gefälschte Arzneimittel sind keine Generika. "Generika sind nachgebaute Originale, die den selben Wirkstoff enthalten. In gefälschten Arzneimitteln fand man schon Arsen oder Ziegelstaub", weiß Richter zu berichten.

Bestenfalls wirkungslos

Die meisten Fälschungen kommen aus dem asiatischen Raum und werden über das World Wide Web vertrieben. Von 9.000 durchsuchten Webseiten gefährden 96 Prozent die Patientensicherheit, heißt es bei Pharmig. Die Akteure bleiben nicht untätig: EU-weit wird mit der Richtlinie zur Verhinderung des Eindringens von gefälschten Arzneimitteln in die legale Lieferkette auf Arzneimittelfälschungen reagiert. "Die Umsetzung dieser Richtlinie muss absolut sichergestellt werden, um einen Missbrauch und damit eine Gefährdung der Patienten zu verhindern", sagt Huber.

Im Idealfall habe die falsche Medizin gar keinen Effekt. Sobald ein gefälschtes Medikament in den Umlauf gebracht wird, sei es daher nicht nur ein ökonomischer, sondern auch ein gesundheitliches Risiko. "Das gilt keineswegs nur für Potenzmittel, Muskelaufbaupräparate oder Mittel gegen Haarausfall. Auch falsche Herztabletten, Krebspräparate, Schmerzmittel, Antibiotika usw. werden angeboten", sagt Frank Gailberger, Referent beim Verband der forschenden Pharma-Unternehmen in Deutschland.

Sicherheit erkennbar machen

"Die Transparenz in der Vertriebskette sowie die enge Zusammenarbeit von Pharmaindustrie, Vertrieb und Apotheken in Österreich bieten ein hohes Maß an Sicherheit, die den Patienten zu Gute kommt", erklärt der Experte. In Deutschland soll das securPharm-System auch dem Großhandel die Möglichkeit bieten, die Identität einzelner Packungen zu verifizieren. Im Juli 2011 wurde die EU-Richtlinie zur Bekämpfung von Arzneimittelfälschungen veröffentlicht. Europaweit sollen ihr zufolge Arzneimittel mit Sicherheitsmerkmalen versehen werden, die die Identifizierung und Authentizität der einzelnen Packung in der legalen Vertriebskette sicherstellen. Welche Arzneimittel das betrifft, wird die EU-Kommission noch bestimmen.

Quelle: pressetext.com

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