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(Diffuser) Haarausfall und Stress

Es wird seit langem vermutet, dass psychogener Stress zu Haarausfall führen bzw. Haarausfall fördern kann. Mit dem Thema Stress als Auslöser von Haarausfall befasst sich ein Ende 2004 von dem Haarforscher Prof. Ralf Paus und seinem Team veröffentlichter Forschungsbericht (M. Hadshiew et al: Burden of hair loss: Stress and the understimated psychological impact of telogen effluvium and androgenetic alopecia. J Invest Dermatol 123: 455-457, 2004). Die Wissenschaftler gehen dabei von 3 Ebenen aus, auf denen ein Zusammenspiel von Haarverlust und Stress auftreten könnte:

1. Akuter oder chronischer Stress als direkte Ursache von Haarverlust. In diese Gruppe können z.B. einige Fälle von diffusem Haarverlust gehören, bei denen keine andere Ursache gefunden werden kann.

2. Akuter oder chronischer Stress als ein zusätzlich verschlimmernder Faktor eines Haarproblems, dessen primäre Ursache hormoneller, immunologischer oder anderer Natur ist. In diese Gruppe gehören nach Ansicht der Autoren z.B. die Alopecia areata oder der anlagebedingte Haarausfall.

3. Stress als Folge von Haarausfall, egal welcher Ursache oder Ausprägung.

Einige Studien an Mäusen konnten den bisher oft geäußerten Glauben bekräftigen, dass Stress starke haarverlustfördernde und haarschädigende entzündliche Effekte bewirken kann. Welcher Stoff bzw. welche Stoffe dabei genau als "Vermittler" der Stressreaktion im Körper bzw. am Haarfollikel für die negativen Effekte verantwortlich sind, ist noch weitgehend unklar. In Betracht kommen verschiedene Neurotransmitter, Neuropeptide, Neurohormone und andere Botenstoffe.

Derzeit gibt es keine spezifische medikamentöse Behandlungsmöglichkeit gegen stressinduzierten Haarausfall. Als ein möglicher "Kandidat" kommt äußerliche Minoxidil-Lösung in Betracht, die in der Behandlung des anlagebedingten Haarausfalls der Frau und des Mannes eingesetzt wird. In Untersuchungen an Mäusen konnten entsprechende Hinweise gewonnen werden. Ob Minoxidil jedoch auch beim Menschen in der Lage ist, den negativen Auswirkungen von Stress am Haarfollikel entgegenzuwirken, muss noch untersucht werden.

Weiterhin stellt sich die Frage, wie erhöhte Stresswahrnehmung überhaupt die Haut und den Haarfollikel erreichen kann. Vor diesem Hintergrund berichtete Prof. Dr. Eva Peters von der Abteilung für Psychoneuroimmunologie der Universitätsklinik Charité in Berlin auf der 11. Jahrestagung der Europäischen Haarforschergesellschaft (EHRS) in Zürich über die biologischen Zusammenhänge von Haarausfall und Stress:

"Vor dem Hintergrund der modernen Stress-Neuroimmunologie müssen Stresseffekte am Haarfollikel über definierte neurobiologische und/oder neuroimmunologische Signalbahnen vermittelt werden. Neue Ergebnisse aus dem Mäusemodell bringen jetzt etwas Licht in diese Zusammenhänge. Jeder Haarfollikel wird von einem dichten Nervenfasernetzwerk umgeben. Dieses Nervenfasernetzwerk enthält neuronale Botenstoffe, wie zum Beispiel das Neuropeptid Substanz P (SP) oder den Neurotransmitter Noradrenalin (Na). Während der lebenslang wiederkehrenden Umbauprozesse am Haarfollikel, dem Haarzyklus, schwankt die Zahl dieser Nervenfasern ebenso wie die Häufigkeit von Kontakten zu ortständigen Immunzellen, den Mastzellen. Diese Schwankungen haben einen Einfluss auf das Haarwachstum.

Das Neurotrophin Nerve Growth Factor (NGF) reguliert die Versorgung der Haut mit Nervenfasern und ist ebenfalls ein starker Haarwuchsmodulator. Wir konnten darstellen, dass wahrgenommener Stress die Zahl von SP-Nervenfasern und die NGF-Menge in der Maushaut erhöht. Eine Reaktion, die mit dem Auswachsen neuer Nervenendigungen einhergeht. Tritt diese Steigerung der Versorgung der Haut mit Nervenfasern während des Übergangs von Haarfollikeln aus der Wachstumsphase (Anagen) in die Übergangssphase (Katagen) auf, so kommt es zu einer Aktivierung der Mastzellen, neurogener Entzündung in der Umgebung des Haarfollikels, programmiertem Zelltod im Haarfollikelepithel (Apoptose) und schließlich zum vorzeitigen Stopp des Haarwachstums. Überraschenderweise können diese Effekte im Mausmodell durch die Gabe von Minoxidil unterdrückt werden. Zusammengefasst kann Stress also eine Kaskade von molekularen Ereignissen auslösen, die zu Entzündungen am Haarfollikel führen und so zum Haarausfall beitragen. Den Mediatoren NGF und SP kommt hierbei eine Schlüsselfunktion zu, die in Zukunft vielleicht therapeutisch genutzt werden kann."

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