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Expertenrat zu vernarbendem Haarausfall

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Thema: Vernarbender Haarausfall --> Ursachen?Hilfen?
2008-05-02
Autor:
Dist
Hallo Herr Dr. Finner,

Nach jahrelanger Dermatologenodyssee konnte in der Uniklinik Homburg endlich festgestellt werden, dass ich auf der Kopfhaut an Lichen Ruber Planupilaris (mit dem letzten bin ich mir nicht 100%ig sicher) leide. Dort wurde mir mitgeteilt, dass es eine so seltene Erkrankung ist, dass es keine speziellen Medikamente dagegen gibt bzw. keine ausreichenden Kenntnisse über die Krankheit....
Mir wurde knapp ein Jahr Kortison in Tablettenform und zur äußeren Anwendung verschrieben. Da dies ja lediglich die Entzündung und nicht die Ursache bekämpft, habe ich die Behandlung wg des Kortisons schließlich eingestellt und mich seitdem sozusagen "meinem Schicksal ergeben".
Es wäre toll wenn Sie mir hinsichtlich Ursache und vor allem Behandlung weiterhelfen könnten, solange noch ein Rest an Haaren übrig ist :-)
Begleitet wird der Ausfall von einer meist schmerzhaft gereizten Kopfhaut und häufigen Juckreizen (keine Schuppen). Betroffen ist hauptsächlich der obere Kopfbereich, die Seiten und der Nacken nicht.

Schon einmal vielen Dank für Ihre Mühen und ein schönes Wochenende!
Freundliche Grüße
Dr. Andreas Finner

Experte
Beiträge:165
2008-05-07
Vielen Dank für Ihre Anfrage,

Zum einen ist es richtig, dass wir zur Therapie der meisten Formen von vernarbendem Haarausfall keine guten wissenschaftlichen Studien haben. Dies gilt insbesondere bei den primären Formen wie Lichen planopilaris, wo der Haarfollikel selbst der Ort der Entzündung ist. Meist ist hier der zentrale Oberkopf befallen wie bei Ihnen.

Zum anderen gibt es aber speziell in Ihrem Fall einige Therapieoptionen, die man nach ausführlicher Diskussion mit dem Patienten individuell anwenden sollte, um ein Fortschreiten der Vernarbung zu verhindern und Symptome wie Juckreiz, Rötung, Schuppung zu lindern.

Dazu gehören vor allem äußerliche Kortisonpräparate (z.B. auch als Schaum, über eine begrenzte Zeit) oder auch Calcineurininhibitoren. Bei Kortison habe ich mit Haut-Unterspritzungen in kritische, aktive Areale gute Erfahrungen gesammelt.

Innerliche Therapien sind schweren Fällen vorbehalten. Kortison als Tablette ist über längere Zeit zu nebenwirkungsreich und sollte nur bei sehr starker Aktivität kurzzeitig zur Überbrückung erwogen werden.

Auch Retinoide (Vitamin A- Abkömmlinge) können in Frage kommen. Dies gilt auch für Antimalariamittel. Ciclosporin ist schweren Fällen vorbehalten. In vielen Fällen kann der Lichen planopilaris bzw. Lichen follicularis zumindest gebremst und kontrolliert werden. Oft "brennt" die Erkrankung auch nach einiger Zeit spontan aus.

Über die Ursache weiss man, ebenso wie beim Lichen ruber der Haut, noch nichts Endgültiges. Zur Sicherheit würde ich eine Hepatitisuntersuchung machen, da es einige Berichte über einen Zusammenhang gibt. Wichtig ist auch, Medikamente als Auslöser auszuschließen.

Die vernarbten Areale mit Haartransplantation zu behandeln, ist bei dieser primär vernarbenden Alopezie nur ratsam, wenn über mehrere Jahre ohne Therapie keine Aktivität mehr besteht. Es besteht ein gewisses Risiko einer Reaktivierung. Alternativ helfen Zweithaar- oder Camouflagelösungen.

Also empfehle ich, nochmals einen Anlauf mit einer Vorstellung in einer Haarsprechstunde zu nehmen, um die Areale nicht größer werden zu lassen. Voraussetzung jeder Therapie ist eine genaue Diagnose einschließlich Gewebeprobe und Untersuchung der übrigen Haut, Mundschleimhaut und der Nägel. Zur Verlaufsbeurteilung können Fotos, Ausmessen und Gradeinteilung der Entzündlichkeit und Symptome genutzt werden.

Mit freundlichen Grüßen,
Dr. Finner

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