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Expertenrat zur Haartransplantation

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Thema: Permanenter und temporärer Shock-Loss
2011-01-02
Autor:
Test_21
Sehr geehrter Herr Dr. Neidel,

ich stehe kurz vor der Entscheidung zu einer Haartransplantation (HT). Trotz Propecia & Minoxidil (seit etwa 7 Jahren) ist mein Haarstatus leider nicht stabil. Mein Hararausfall (obwohl ich männlichen Geschlechts bin :-)) kommt eher dem Stadium 1-2 des Mittelscheitelmusters der AGA bei Frauen nahe. D.h. ich habe zwar noch überall Haare auf dem Kopf, nur eben deutlich dünnere und weniger. Im Rahmen einer Online Beratung zur HT wurde ich auf das Phänomen des permanenten und temporären Shock-Loss hingewiesen. Dies könnte wohl auch bei meinem Haarstatus zutreffen, denn bei einer HT würden zwangsläufig auch gesunde Haarpartien in Mitleidenschaft gezogen werden.
Dabei wurde auch klar herausgestellt, dass ich durch den Effekt eines solchen Shock-Loss im schlechtesten Fall nur eine geringe "Wirkung" einer HT sehen könnte.

Nun zu meinen Fragen:

- Sollte ich (man) generell solange auf eine HT warten bis man komplett kahle Stellen, bzw. zurückgehende Haarlinien hat?

- Ist das setzen von Graft's zwischen bestehende Haarwurzeln aufwendiger, bzw. mit mehr "Gefahren" (im Sinne eines zufriedenstellenden Ergebnis) für den Patienten verbunden, wenn die transplantierten Haare zwischen noch funktionstüchtige Haarwurzeln gesetzt werden?

- Wie groß ist das Risiko eines zeitlich begrenzten und insbesondere eines permanenten Shock-Loss?

Und zu guter Letzt:

- Würden Sie einem potenziellen Patienten mit beschriebenem Erscheinungsbild zu einer HT raten oder sollte man noch abwarten?

Vielen Dank vorab für Ihre Antwort und - angesichts der zeitlichen Nähe - einen guten Start in das neue Jahrzehnt!

Dr. Frank G. Neidel

Experte
Beiträge:169
2011-01-11
Guten Tag,

danke für die Anfrage. Meine Antworten zu Ihren Fragen sind bitte nur als relativ zu betrachten, weil eine 100%ige Beurteilung nur durch eine direkte Untersuchung in der Praxis möglich ist. Danach können definitive Aussagen gemacht werden. Online-Beratungen halte ich bei Ihrer etwas schwierigeren Situation für sehr vage. Trotzdem hier meine Antworten:

Den Zeitpunkt der Haartransplantation bestimmt in erster Linie der Patient. Wenn Sie die optische Situation nicht mehr für erträglich halten, muss man operieren, sofern das technisch machbar ist. Manche Patienten warten sonst ein Leben lang, bis alles kahl ist oder bis sie im hohen Rentenalter sind. Wenn Sie so lange warten wollen, ist das natürlich auch in Ordnung.

Selbstverständlich ist das Transplantieren in noch bewachsene Gebiete aufwändiger und bei technisch weniger versierten und unerfahrenen Operateuren werden bestimmt auch einige bis viele der noch vorhandenen Haarwurzeln zerstört.

Einen permanenten Schock loss habe ich noch nie gesehen. Das wird meist verwechselt mit weiter voranschreitendem Haarausfall. Und der ist nicht aufzuhalten, weswegen es dann doch wieder dünner aussieht und nur ein geringer optischer Effekt auftritt. Beim normalen Schock loss wachsen die Haare immer wieder nach, aber eben nur dann, wenn sie nicht in den nächsten Monaten sowieso ausfallen würden. Das Risiko für Schock Loss ist bei Nichtrauchern und Patienten unter 45 Jahren gering, bei Risikopatienten liegt es bei etwa 50%.

Einem Patienten mit Ihrer Situation würde ich im Zweifelsfall immer von der Operation abraten, denn, und das sie hier noch einmal gesagt: nicht der Arzt bestimmt den Zeitpunkt der Operation, sondern der Patient mit seinem Leidensdruck und dem Wunsch zur Verbesserung.

Mit freundlichen Grüßen
Dr. med. Neidel

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