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Expertenrat zum anlagebedingten Haarausfall des Mannes

Thema: Medikamentenstudien
Autor:
Max
2018-04-24 18:19:58
Sehr geerhrtes Expertenteam,
vor kurzen hat mir eine vertraute Person (ist selber ein Psychotherapeut und seine Schwester Heilpraktikerin) unheimliche Sorgen bereitet, weil er gesagt hat die ganzen Medikametenstudien zum Thema Finasterid sind von einflussreichen Pharmaunternehmen geschoent. Und das ich mit meiner Gesundheit spiele und der Staat für Geld wegschaut. Als Beispiel für falsche Studien nannte er das Schmerzmittel von Bayer bei schwangeren, das zu Unfaellen fuehrte.
Und hat behauptet, dass er an Medikametenstudien (als untersuchender Psycholge) teilgenommen hat und selber gesehen hat, wie Leute die dem Unternehmen nicht passten aussotiert wurden.
Insgesamt hat der Mann mir eine rieÃčen Angst eingejagt und deshalb habe ich leider mit der Einname von Fin aufgehoert.
Meine Frage waere jetzt was Ihre Meinung zu dem Thema ist? Sind die Studien nicht glaubwürdig? Gibt es keine unabhaengige staatliche Kontrolle, die ueber die Richtigkeit der Studien wacht bzw. darauf achtet das die Medikamentenstudien sachgerecht ausgeführt werden und der Mensch nicht geschadet wird? Oder koennen die Pharmaunternehmen machen was sie wollen? Muss ich mir Sorgen machen?
Oder wurde mir einfach nur eine einseitige Oeko/Heilpraktier Weltsicht ins Ohr gefluestert?

Ueber eine Antowrt die mir Klarheit schafft wuerde ich mich sehr freuen!
Autor:
Dr. Uwe Schwichtenberg
Dr. Uwe Schwichtenberg
Experte
Beiträge:482
2018-04-27 16:29:29
Sehr geehrter Fragesteller

Überall, wo ein finanzielles Interesse einzelner Personen oder Unternehmen herrscht, sollten die getroffenen Aussagen mit Vorsicht interpretiert werden. Auch Meinungen und Überzeugungen beeinflussen die persönliche Wahrnehmung von therapeutischen Erfolgen. Dies ist der Grund, warum pharmakologische Zulassungsstudien mit enormem Aufwand kontrolliert werden. Wir sind selbst als Praxis an Zulassungsstudien beteiligt. Wir haben dabei keine Möglichkeit festzustellen, ob unser Patient ein wirkstoffhaltiges Präparat oder ein Placebo erhält. Es sei denn es läge eine Bedrohung für Leib und Leben des Patienten vor, dann könnte man den Patienten "entblinden", dann wäre aber jede studientechnische Auswertung dieses Patienten unmöglich, außer der Dokumentation einer eventuellen unerwünschten Wirkung natürlich. Wir müssen besondere Qualifikationen in "good clinical practice" nachweisen. Jeder Eintrag im Studienprotokoll wird engmaschig von sogenannten Monitoren (Mitarbeiter der Studienorganisation) auf seine Plausibilität und auf die Übereinstimmung mit der Krankenakte kontrolliert. Ein Kontakt zum pharmazeutischen Hersteller ist ausgeschlossen. Ich halte die Phase der Datengewinnung in Studien für sehr zuverlässig. Natürlich kann man mit krimineller Energie immer Unheil anrichten, bei Studien, die eigentlich immer an mehreren Zentren gleichzeitig laufen stelle ich mir dies jedoch sehr schwierig vor. Bei der Interpretation der Daten ist es Aufgabe der Zulassungsbehörde diese sorgfältig zu prüfen. Dies geschieht heutzutage auch mit sehr viel Zeit und Sachverstand. Bei Unklarheiten oder auch zufällig kommen staatliche Auditoren in die Studienzentren und überprüfen nochmal alles. Diese Besuche sind gefürchtet, weil schon kleinste Protokollabweichungen, undeutliche Einträge o.ä. nicht toleriert werden.
Wo am ehesten noch Manipulationen möglich sind, das ist die Darstellung der Studienergebnisse gegenüber der (Fach-)öffentlichkeit. Werbebroschüren, die Studienergebnisse notgedrungen verkürzt darstellen, können in ihrer Auswahl und Aufbereitung der Daten natürlich vom Interesse des Werbenden geleitet sein.
In der Summe halte ich zugelassene Medikamente für hervorragend untersucht. Es muss einem klar sein, dass nur bei einem Medikament ein Nachweis der Wirksamkeit erforderlich ist. Bei Kosmetika, Medizinprodukten etc. ist dies nicht erforderlich und zumeist auch nicht der Fall. Gerade bei Haartherapeutika herrscht somit ein großer Unterschied zwischen der wissenschaftlichen Basis von Medikamenten wie z.B. Minoxidil und Finasterid im Gegensatz zu Shampoos, die mit großen Versprechungen in der Werbung vor der Tagesschau auftauchen.

Ihr Dr. Uwe Schwichtenberg

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