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Wenn das Gesicht mit dem Alter wächst
9. Juli 2010 - Björn Meyer, Webmaster

Volles Haar - ob bei Mann oder Frau - steht für Gesundheit, Jugendlichkeit und Erfolg. Entsprechend wird der Rückgang der Kopfbehaarung häufig als belastend erlebt. Viele Betroffene versuchen, dem Haarausfall mit teuren und unsicheren Selbstbehandlungmethoden zu begegnen. „Kaum eine Erkrankung ist so mit Mythen und Göttersagen besetzt wie der Haarausfall. Entsprechend hoch ist die Zahl unseriöser Versprechungen. Im Internet oder auf großflächigen Magazinanzeigen in der Publikumspresse wird eine Vielzahl unwirksamer Präparate für teuer Geld angeboten“, warnt der Bremer Hautarzt Dr. Uwe Schwichtenberg vom Berufsverband der Deutschen Dermatologen. „Wenn die Haare insgesamt ausdünnen oder partiell ausfallen, so sind die Reaktionen der Betroffenen darauf sehr unterschiedlich. Frauen empfinden den Haarausfall in der Regel stärker als mentale und soziale Belastung als Männer dies tun“, so der Spezialist für Haarerkrankungen. Aber auch für Männer kann der Haarverlust eine große Herausforderung darstellen.

Haarausfall ist nicht gleich Haarausfall: Es gibt verschiedene Formen mit verschiedenen Ursachen und entsprechend muss die richtige Behandlungsmethode gewählt werden. „Der Hautarzt ist der Ansprechpartner Nummer 1, wenn es um Haarerkrankungen geht - nicht die Kosmetikerin, der Friseur oder der Apotheker. Die Haare sind Hautanhangsgebilde, der zuständige Facharzt ist also der Hautarzt“, stellt Schwichtenberg klar. Zunächst müsse herausgefunden werden, um welche Art von Haarausfall es sich überhaupt handelt. Laut Schwichtenberg werden drei Hauptformen von Haarausfall unterschieden: der anlagebedingte Haarausfall (Alopecia androgenetica), der kreisrunde Haarausfall (Alopecia areata) sowie der diffuse Haarausfall.

Androgenetische Alopezie bedeutet frei übersetzt „Haarausfall durch männliche Hormone“. Darunter versteht man eine Form des Haarausfalls, die durch eine veranlagungsbedingt erhöhte Empfindlichkeit der Haarwurzel gegenüber männlichen Sexualhormonen, den Androgenen, ausgelöst wird. „Beim Mann vergrößern sich Geheimratsecken und Tonsur, bei der Frau lichtet sich das Haupthaar schwerpunktmäßig am Mittelscheitel“, so Schwichtenberg über das unterschiedliche Erscheinungsbild des anlagebedingten Haarausfalls bei Mann und Frau. Das männliche Muster kann jedoch auch bei der Frau auftreten und umgekehrt, ohne dass dies ein Zeichen hormoneller Abweichungen wäre.

Zur Behandlung stehen laut Schwichtenberg sowohl äußerlich wie innerlich anzuwendende Präparate zur Verfügung, deren Wirksamkeit in klinischen Tests bewiesen wurde. „Für Frauen steht der Wirkstoff Finasterid jedoch nicht zur Verfügung“, schränkt Schwichtenberg die Behandlungsmöglichkeiten für Frauen ein. Bei Frauen helfe vor allem die Gabe des Wirkstoffes Minoxidil, der von Haus aus ein Blutdrucksenker ist und bei lokaler Anwendung zu einem hohen Prozentsatz das Voranschreiten des anlagebedingten Haarausfalles stoppen kann. Hauptziel der Behandlung ist, das weitere Fortschreiten des Haarausfalls zu stoppen - deshalb solle eine Behandlung möglichst frühzeitig begonnen werden.

Der kreisrunde Haarausfall ist die häufigste Haarausfallerkrankung mit entzündlicher Ursache. Typischerweise liegen am behaarten Kopf eine oder mehrere kreisrunde kahle Stellen vor, die akut auftreten können. „Hier liegt die Ursache bei einem Fehler im Immunsystem: Immunzellen, die sich normalerweise um die Abwehr von Viren und Bakterien kümmern, werden plötzlich auf die Haare angesetzt, sammeln sich um die Haarwurzel und lähmen diese“, erklärt der Bremer Hautarzt die Ursache für diese Form von Haarausfall. Meist merke der Körper irgendwann, dass ein Irrtum vorliege und das Haarwachstum reguliere sich dann wieder von selbst. Eine medikamentöse Unterstützung sei auch hier möglich, so Schwichtenberg.

Beim diffusen Haarausfall muss der Hautarzt regelrecht Detektivarbeit leisten, da der auslösende Faktor entsprechend dem Haarzyklus drei bis sechs Monate zurückliegen kann. „Eine Funktionsstörung der Schilddrüse, Eisenmangel, Einnahme oder Absetzen der Anti-Baby-Pille, Schwangerschaft, Crash- Diäten, Stoffwechselstörungen, verschiedene innere Erkrankungen - es gibt verschiedene Auslöser. Eine Behandlung erfolgt dann entsprechend der Ursache“, so Schwichtenberg.

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