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Finasterid und Prostatakrebs
17. juli 2003 - Dr. Jens Meyer

1 mg Finasterid/Tag (Handelspräparat Propecia) wird seit mehreren Jahren erfolgreich in der Behandlung des anlagebedingten Haarausfalls des Mannes eingesetzt, in der Dosierung von 5 mg/Tag (Handelspräparat Proscar) wird es zur Therapie der gutartigen Prostatavergrößerung (benigne Prostatahyperplasie) genutzt. Eine aktuelle Studie untersuchte nun den Einfluss von 5 mg Finasterid/Tag auf die Entwicklung von Prostatakrebs (Thompson IM et al. (2003): The influence of Finasteride on the Developement of Prostate Cancer. N Engl J Med 349:213-22). Die Resultate der Untersuchungen sind in der aktuellen Online-Ausgabe des Fachjournals "New England Journal of Medicine" vorab publiziert worden. Bereits mehrmals wurde im Expertenrat von Haarerkrankungen.de nach den Ergebnissen der Studie bzw. der Relevanz für die Anwender von Finasterid 1 mg/Tag gegen anlagebedingten Haarausfall gefragt. Prof. Wolff antwortete hierzu:

"Die Studie aus dem New England Journal habe ich aufmerksam gelesen. Die Kernaussage war: Wenn 5 mg Finasterid pro Tag über 7 Jahre Männern über 55 Jahren gegeben wird, verringert sich die Häufigkeit von Prostata-Karzinomen um etwa 25%; allerdings scheint die Häufigkeit von höher malignen Prostata-Karzinomen leicht zuzunehmen (6,4 vs 5,1 %). Rückschlüsse auf Propecia, das 1 mg Finasterid enthält und bei jüngeren Männern angewendet wird, sind meiner Ansicht nach nicht möglich."

Die folgende Zusammenfassung der Ergebnisse der Studie wurde Haarerkrankungen.de von Dr. Christian Kunte von der Ludwig-Maximilians-Universität München zur Verfügung gestellt:

"Die Einnahme des 5-Alpha-Reduktasehemmer Finasterid (ProscarŪ) resultierte im Southwest Oncology Group Prostate Cancer Prevention Trial (PCPT) in einer fast 25%igen Reduktion des Prostatatumor-Risikos. Die Wissenschafter untersuchten entsprechende Daten von 18.882 über 55jährigen Männern, bei denen bei der Einstiegsuntersuchung digital rektal (Tasten der Prostata durch den Enddarm) kein Befund gestellt werden konnte und deren PSA (Prostata-spezifisches Antigen - Tumormarker für Prostatakarzinome) unter 3,0ng/ml lag. Die Probanden erhielten sieben Jahre lang randomisert (zufällig verteilt) entweder 5mg Finasterid pro Tag oder Plazebo (unwirksame Substanz). Ist im Verlauf der Studie ein Anstieg des PSA-Wertes über 4 ng/ml oder ein auffälliger Tastbefund der Prostata registriert worden, so wurden Biopsien aus verdächtigen Bereichen des Organs entnommen.

Ursprünglich waren 24.482 Männer in die Studie aufgenommen worden. Knapp 4.000 Männer hatten zu Beginn einen PSA-Wert von über 3 ng/ml, weshalb sie dann aus der Studie ausgeschlossen wurden. 18.882 Männer wurden nach dem Zufallsprinzip einem der beiden Studienarme, Plazebo oder Finasterid, zugeteilt. Bei 803 von 4.368 Männern der Finasterid-Gruppe, die bis zum Ende der veranschlagten Studienzeit beobachtet werden konnten, wurde ein Prostatatumor diagnostiziert (18,4 Prozent). In der Plazebo-Gruppe fanden sich 1.147 positive Diagnosen (Prostatakarzinome) von 4.692 Männern (24,4 Prozent). Dies entspricht einer 24,8 prozentigen Risikoreduktion innerhalb von sieben Jahren bei Finasterid-Therapie gegenüber der Einnahme von Plazebo. Jedoch waren bei Therapie mit dem 5-Alpha-Reduktasehemmer Finasterid Tumoren vom Gleason-Score 7-10 (fortgeschrittene Prostatakarzinome) signifikant häufiger als in der Plazebo-Gruppe (6,4% vs. 5,1%) gefunden worden.

Nebenwirkungen sexueller Natur (Impotenz, verminderte Libido, vermindertes Ejakulationsvolumen, Gynäkomastie, u.s.w.) waren bei den Studienteilnehmern aufgrund der Altersstruktur relativ häufig. Erektionsstörungen traten zum Beispiel in der Plazebo-Gruppe bei 61,5 % und in der Finasterid-Gruppe bei 65,4 % der Studienteilnehmer auf. Symptome von Seiten der benignen Prostatahyperplasie (gutartige Prostatavergrößerung) wurden durch die Finasteridtherapie signifikant (statistisch aussagekräftig) gebessert.

Die durchgeführte Studie hat zwei Fragen aufgeworfen: Hat Finasterid Prostatakarzinome verhindert oder behandelt und hat Finasterid das Auftreten von Prostatakarzinomen verhindert oder verzögert? Der frühzeitige Unterschied in der Häufigkeit des Auftretens von Prostata-Karzinomen zwischen der Plazebo- und Finasteridgruppe lässt die Überlegung zu, dass Finasterid subklinische (Karzinome die noch keine Beschwerden verursachen), sehr beginnende Karzinome früh in der Studie behandelt hat. Der Unterschied in der Häufigkeit des Auftretens von Prostata-Karzinomen zwischen der Plazebo- und Finasteridgruppe im Verlauf der Studie ist kontinuierlich angestiegen, was vermuten lässt, dass Finasterid Prostatakarzinome verhindert hat oder das Auftreten verzögert. Auf jeden Fall hat Finasterid einen Vorteil erbracht.

Die Wissenschafter fassen zusammen, dass Finasterid der Prävention oder der späteren Entwicklung eines Prostatatumors dienen könnte, jedoch muss dieser Vorteil gegen die größere Wahrscheinlichkeit der Entwicklung höhergradiger Tumoren und der höheren Nebenwirkungsrate abgewogen werden."

Ergänzung November 2005

Inzwischen wurden die Daten der Studie weitergehend analysiert, mit dem Ergebnis: Finasterid senkt die Rate aller Prostata-Tumoren - die erhöhte Rate aggressiver Tumoren in der Studie war nur ein Artefakt.

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