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Nebenwirkungen einer Therapie des anlagebedingten Haarausfalles mit Finasterid
10. Februar 2002 - Dr. Jens Meyer

In unserem Expertenrat zum anlagebedingten Haarausfall wurde in den vergangenen Wochen sehr häufig zu Art und Ausmaß möglicher Nebenwirkungen einer Finasterid-Behandlung bei Männern gefragt. Vor diesem Hintergrund haben wir die Aussagen von Prof. Wolff zu diesem Thema noch einmal zusammengefasst:

"Zur Frage von Nebenwirkungen einer Behandlung mit Finasterid (Handelspräparat Propecia) wie Abfall der Libido (Verlangen nach Sexualität) oder Potenzabschwächung gibt es vier Ebenen der Aufarbeitung:

1. Die individuelle Ebene: Jeder Propecia-Anwender, der an sich Libido- oder Potenz-Abschwächung spürt, sollte das Mittel für etwa 4 Wochen absetzen und danach nochmals für etwa 4-8 Wochen ansetzen. Wenn wirklich Propecia für die Libido- oder Potenzminderung verantwortlich ist, muss die Nebenwirkung 2-4 Wochen nach dem Absetzen verschwunden sein und 2-4 Wochen nach dem Wieder-Ansetzen wieder auftreten. Wenn dies der Fall ist, rate ich zu Alternativen wie z.B. der Minoxidil 5% Lösung (Handelspräparat Regaine).

2. Die Ebene der Internet-Foren: Hier sind sehr gut informierte und engagierte Anwender aktiv. Jede Äusserung hinsichtlich Nebenwirkungen ist für mich absolut glaubhaft, denn jeder Anwender will ja seinen Haarausfall stoppen. Allerdings lassen sich aus den Internet-Foren keine statistischen Häufigkeiten ermitteln.

3. Meine eigene Erfahrungsebene: Propecia gehört zu den in meiner Haar-Sprechstunde häufig verschriebenen Mitteln. Mittlerweile sind sicher über 1000 Patienten damit behandelt worden, zum Teil bereits seit 3-4 Jahren. In unserem Patientengut schätze ich die Häufigkeit von Propecia-Nebenwirkungen auf etwa 1-3% der Anwender.

4. Die wissenschaftliche Ebene: In der über 5 Jahre gehenden wissenschaftlichen Studie zu Wirksamkeit und Nebenwirkungen der Finasterid-Tablette (Propecia) bei anlagebedingtem Haarausfall der Männer wurde folgendes festgestellt: Eine Tablette Propecia pro Tag hemmt den Aufbau von Dihydrotestosteron (DHT) in der Kopfhaut; der DHT Spiegel im Körper wird um 70 % gesenkt. Durch Propecia wird die Schrumpfung der Haarwurzeln verhindert. Bei etwa 90% der Anwender lässt sich der Haarausfall stoppen; etwa 60% der Anwender bekommen eine dauerhafte Verdichtung des Kopfhaares. Günstig ist dabei, dass das für die Muskeln, die Potenz und die Knochendichte verantwortliche Hormon Testosteron durch Propecia nicht abgesenkt wird. Deshalb haben auch nur etwa 1-2% der Propecia-Anwender subjektive Nebenwirkungen wie Potenzabschwächung. Andererseits vertrugen 98% der Propecia-Patienten in der Studie das Mittel hervorragend - ohne jede Nebenwirkung.

Im Rahmen der Studien an über 1500 Männern (die eine Hälfte bekam Propecia, die andere Hälfte bekam Plazebo eine unwirksame Substanz) wurde nach Beeinflussung der Libido, nach Veränderung des Samenvolumens und nach Potenzproblemen gefragt. Unter 2 % aller Männer (also auch der Plazebo-Probanden) gaben eine Abnahme der Libido, des Samenvolumens (das Samenvolumen hat hier nichts mit der Qualität der Spermien zu tun) und Potenzprobleme an. Der Unterschied zwischen den Männern die Plazebo und Propecia eingenommen haben war statistisch nicht signifikant, also unbedeutend. In mehreren Studien an Propecia-nehmenden Männern wurden auch Untersuchungen des Spermas vorgenommen. Die Zahl der Spermien, deren Beweglichkeit und Form hat sich unter Propecia-Einnahme nicht verändert.

Treten jedoch unter Propecia Einnahme entsprechende Beschwerden auf, so lassen diese meist trotz fortgeführter Therapie nach. Sämtliche Nebenwirkungen sind nach Absetzen von Propecia vollständig reversibel, allerdings wird dann wahrscheinlich der Haarausfall wieder rascher fortschreiten. Ein Kompromiss wäre vielleicht, Propecia (Finasterid 1mg) nur noch jeden zweiten Tag oder noch seltener einzunehmen. Vielleicht ist gerade bei den Anwendern, die mit Nebenwirkungen reagieren, eine geringere Propecia-Menge notwendig, um den Haarausfall zu stabilisieren. Finasterid 0,5 mg pro Tag dürfte noch seltener und noch weniger Nebenwirkungen verursachen wie die 1,0 mg Dosis, die bei weniger als 2% der Behandelten zur Abschwächung der Libido und Potenz führt. Ob in diesen Fällen täglich 0.5 mg oder jeden zweiten Tag 1 mg eingenommen werden, macht wahrscheinlich wenig Unterschied. Die tägliche Einnahme sorgt für konstantere Wirkspiegel, die 1 mg Dosis jeden 2. Tag hat den Vorteil, dass eine intakte Tablette geschluckt wird.

Zur Dosierung von Finasterid hinsichtlich der Wirksamkeit lässt sich in diesem Zusammenhang folgendes sagen: In einer Phase-II-Dosisfindungsstudie war beim Durchschnitt der behandelten Männer die 1 mg Finasterid-Dosis fast so wirksam wie die 5 mg Dosis, aber deutlich wirksamer als die 0,5 oder 0,2 mg-Dosis. Im Einzelfall ist es auch möglich, dass mit 0,5 mg pro Tag der gleiche Erfolg erzielt wird wie mit 1,0 mg pro Tag. Bei den meisten Männern dürfte jedoch die 1-mg-Dosis deutlich bessere Ergebnisse erzielen als 0,5 oder 0,2 mg pro Tag."

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