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Aktuelles

Bericht vom 11. Bundeskongress des Alopecia Areata Deutschland e.V. in Münster
12. Juni 2001 - Dr. med. Jens Meyer

Am Samstag, den 9. Juni 2001, fand in den Räumen der Westf. Wilhelms-Universität Münster der 11. Bundeskongress des Alopecia Areata Deutschland e.V. statt. In weiser Voraussicht hatte der Vorstand einen grossen Hörsaal für die Veranstaltung reserviert, um den mehr als 250 Besuchern ausreichend Platz zu bieten. Der große Andrang kam jedoch nicht unerwartet, war es dem Veranstalter doch gelungen, ein Programm mit hochkarätigen Referenten aus Klinik und Grundlagenforschung zusammenzustellen. Nach einer Mitgliederversammlung und der Eröffnung durch Prof. Dr. Traupe von der dermatologischen Klinik der Universität Münster folgte der erste medizinische Beitrag des Tages mit dem Titel: "Alopcia areata bei Kindern - was kann man tun?"

In ihrem Vortrag zu diesem wichtigen und zugleich schwierigen Thema betonte die Referentin Frau Prof. Dr. Ulrike Blume-Peytavi von der Klinik für Dermatologie der Humboldt-Universität zu Berlin zunächst, dass vor einer spezifischen Behandlung erst einmal die Diagnose Alopecia areata gesichert werden müsse. Andere Erkrankungen wie zum Beispiel Pilzinfektionen der Kopfhaut, aber auch durch Ausreißen oder Abschneiden der Haare selber verursachte Befunde als Ausdruck psychischer Spannungen, könnten einen kreisrunden Haarausfall vortäuschen.

Als Kriterien für die Auswahl einer geeigneten Behandlung nannte Frau Prof. Blume-Peytavi insbesondere das Alter der Kinder, die Dauer und die Ausprägung der Erkrankung sowie eventuell zusätzlich vorliegende Krankheiten wie zum Beispiel eine allgemeine Allergiebereitschaft (Atopie), die Weißfleckenkrankheit (Vitiligo), oder Veränderungen der Schilddrüse. Aufgrund Ihrer Erfahrungen aus der klinikinternen Haarsprechstunde gab Sie einen sehr ausführlichen Einblick in verschiedene Therapieschemata, wie unter anderem über die aüßerliche Behandlung von chronisch-fortschreitenden Verläufen mit Dithranol (üblicherweise eingesetzt bei Schuppenflechte) oder Diphenylcyclopropenon (DCP).

Da wir im Rahmen diese Kongressberichtes leider nicht alle Einzelheiten des Vortrages wiedergeben können, werden wir dem Thema Alopecia areata bei Kindern demnächst in Zusammenarbeit mit Frau Prof. Blume-Peytavi eine eigene Rubrik widmen. Wenn Sie über den genauen Zeitpunkt direkt informiert werden möchten, tragen Sie sich bitte in unseren kostenlosen Newsletter ein.

Im folgenden Beitrag berichtete Herr Prof. Dr. Dr. Dipl.-Chem. Dietrich Wabner aus München über das Thema "Etherische Öle - was Aromatherapie bieten kann". Nach einem allgemeinen Überblick über das Gebiet der Aromatherapie, welches hierzulande im Gegensatz zu England (noch?) kein eigenes Gebiet der medizinischen Heilkunst darstellt, wurde das Thema Haare näher unter die Lupe genommen. Besonders Lavendel, Kamille, Melisse, Rosmarin, Salbei und Thymian kämen in diesem Bereich zur Anwendung. Diese Öle könnten helfen durch ihre desinfizierenden, entzündungshemmenden, durchblutungs- und wachstumsfördernden Eigenschaften. Grundsätzlich gelte jedoch: "Etwas Abgestorbenes können auch Öle nicht wieder lebendig machen". Vor der Anwendung bei Patienten sei ein Verträglichkeitstest am Unterarm unumgänglich, dabei auftretende Reizungen sprächen gegen einen Einsatz als Heilsubstanz.

Für die Alopecia areata sei insbesondere eine Mischung aus Rosmarin-, Zedern- und Lavendelöl interessant, als Trägersubstanz böte sich das Öl der Jojobapflanze an. Prof. Wabner betonte, dass es sich bei der Aromatherapie um einen komplementären, also ergänzenden Bestandteil einer Therapie handele, und nicht um eine alternative, also ersetzende Behandlungsform. Studienergebnisse lägen bisher nur von einer publizierten Versuchsreihe vor, die allerdings einer kritischen Beurteilung nicht in allen Punkten standhalten könne.

In der anschließenden Diskussion kam unter anderem die Frage auf, warum es bisher keine weiteren Untersuchungen zu dieser eigentlich kostengünstigen und nebenwirkungsarmen Behandlungsform gegeben habe. Die Vermutung, dass hier Kostengründe und mangelndes Interesse von Seiten der Industrie eine Rolle spielten, lag nahe.

Weitere Informationen zum Thema finden Sie im Internet auf der Seite des Vereins zur Förderung, Schutz und Verbreitung der Aromatherapie unter www.forum-essenzia.de.

Im Anschluss an das hervorragende Mittagessen (Kompliment an die Veranstalter) sprach Herr Markus Stockmeier von der dermatologischen Klinik der Ludwig-Maximilian-Universität in München über den Einsatz von 5%iger Minoxidil-Lösung bei der Alopecia araeta. Dieses Medikament wird seit längerem beim anlagebedingten Haarausfall des Mannes eingesetzt und ist in Deutschland seit September 2000 als Fertigpräparat (Handelsname Regaine) zur Behandlung dieser Erkrankung zugelassen. In den USA wird Minoxidil seit längerem auch bei Alopecia araeta verwendet, jedoch ohne eindeutig dokumentierten Nachweis einer Wirksamkeit. Herr Stockmeyer stellte kurz einige Studien zu diesem Thema vor, die aber aufgrund einiger Mängel bei Aufbau und Durchführung nicht aussagekräftig seien. Der Wirkstoff Minoxidil sei eigentlich eine Substanz zur Behandlung von Bluthochdruck, der als Nebenwirkung vermehrten Haarwuchs gezeigt hatte.

An der Münchner Klinik wurden bisher insgesamt 16 Patienten mit Alopecia araeta im Rahmen von individuellen Heilversuchen mit der Substanz behandelt. In einigen Fällen zeigte sich dabei in der Tat erneutes Wachstum der Haare, in keinem Fall sei jedoch ein kosmetisch zufriedenstellendes Ergebnis erzielt worden. Darüber hinaus ließ sich das Ergebnis bei Patienten mit kleinen Herden auch nicht von einer eventuellen Spontanheilung abgrenzen.

Zusammenfassend betonte Herr Stockmeier, dass die Therapie mit Diphenylcyclopropenon (DCP) bei ausgeprägten und fortschreitenden Formen der Alopecia areata weiterhin die Behandlung der ersten Wahl darstelle. Nur wenn eine Therapie mit DCP nicht durchführbar sei oder erfolglos verliefe, könne eine Behandlung mit Minoxidil versucht werden.

Im letzten Vortrag des Tages berichtete Frau Dr. Corinna Peter aus Hamburg über die Erfolgsaussichten einer Zinktherapie bei Alopecia areata. Die allgemeine Bedeutung von Zink für ein gesundes Wachstum der Haare und Nägel zeige sich unter anderem bei der Acrodermatitis enteropathica. Diese Erkrankung führt aufgrund eines Enzymdefektes zu chronischem Zinkmangel, der wiederum neben anderen Mangelerscheinungen diffusen Haarausfall und Nagelwachstumsstörungen verursacht. Liegt bei der Alopecia areata aber ein chronischer Zinkmangel vor? Diese Frage konnte die Referentin mit einem klaren "Nein" beantworten. Der Wirkmechanismus beruhe hier vor allem auf einer Modulation der Immunantwort des Körpers. Beim kreisrunden Haarausfall finde sich in der Umgebung der betroffenen Haarwurzeln eine Ansammlung von Zellen der Immunabwehr, auch als "Bienenschwarm" bezeichnet. Hierin befänden sich vor allem sogenannte T-Lymphozyten, allerdings in einem sonst unüblichen Verhältnis von T-Helferzellen zu T-Suppressorzellen. Zink könne helfen, dieses Verhältnis wieder zu normalisieren.

Wie sieht es aber mit den Erfolgsaussichten einer Zinktherapie aus? Zunächst einmal sei es bei einer innerlichen Behandlung schwieriger als bei äußerlicher Therapie, einen Behandlungseffekt von Spontanheilungen zu unterscheiden, da ja keine Halbseitenversuche durchgeführt werden könnten. In Beobachtungen während einer eigenen klinischen Studie fand Frau Dr. Peter, dass sich insgesamt bei ungefähr einem Drittel der Patienten eine Zunahme der Haardichte zeigte und es in 12% der Fälle zu vollständigem Wiederwachstum der Haare kam. Diese Werte lagen wiederum deutlich über den Ergebnissen der mit Placebo behandelten Kontrollgruppe. Die besten Resultate könnten allgemein bei geringer Ausdehnung und kurzer Erkrankungsdauer erreicht werden.

Abschließend betonte Fr. Dr. Peters, dass eine Zinkbehandlung auch mit einer äußerlichen Behandlung kombiniert werden könne. Unter den verschiedenen Zinkzubereitungen würde Zinkaspartat mit am besten aus dem Darm aufgenommen. Es sollte jedoch darauf geachtet werden, die Tabletten (bzw. Brausetabletten bei Kindern) nicht mit Milch oder Cerealien einzunehmen.

Zum Abschluss der informativen und kurzweiligen Veranstaltung bedankte sich die Bundesvorsitzende des AAD, Frau Jenny Latz, noch einmal bei allen Teilnehmern und insbesondere bei den Referenten, die allesamt ohne Honorar vorgetragen hatten. Ein genauer Ort für den Kongress im Jahre 2002 stünde noch nicht fest, er solle aber voraussichtlich im Süden des Landes stattfinden, um Teilnehmern aus Österreich und der Schweiz die Anreise zu erleichtern.

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2001
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